Mehr Umsatz ist nicht alles – gesundes Wachstum braucht mehr

Uns begegnen häufig Unternehmer, deren Unternehmen durchaus wächst, die sich aber nicht vorstellen können, wie das noch weitergehen soll – arbeiten sie doch selbst schon am Limit! Bei jedem größeren neuen Auftrag, gibt es Probleme, weil die Produktion ihn nicht rechtzeitig fertig bekommt und keiner mehr Lust auf noch mehr Überstunden hat. Da ist die Überredungskunst des Chefs gefragt und immer mal wieder steht er auch selbst einen halben Tag an der Maschine – macht ja auch mal wieder Spaß. Kundenberater und Produktionsleiter liegen im ständigen Streit miteinander, weil der eine mehr verkaufen will, der andere aber nicht mehr produzieren kann – der Chef holt sie regelmäßig zu Schlichtungsrunden zusammen. Und dann noch die schwierigen Telefonate mit der Bank: Der Kontokorrent ist am Anschlag, weil die Ware eingekauft ist, aber die Kunden ihre Rechnung noch nicht bezahlt haben. Wird eine neue Vorschaurechnung die Bank bewegen, die Linie zu erhöhen? Nein? Also den Lieferanten fragen, ob er für drei Wochen die Rechnung stundet – unangenehm.

 

Druck, Stress, Nachtarbeit – muss das sein?

Ergebnis: Druck, Stress, Nachtarbeit für den Unternehmer. Muss das so sein? Nein. Es ist ein Irrglaube, dass mehr Wachstum automatisch mehr Arbeit für den Unternehmer bedeutet. Wenn das Unternehmen in allen seinen Teilen auf Wachstum ausgerichtet und vorbereitet ist, verändert sich durch Wachstum die Menge der Arbeit für den Unternehmer nicht. Aber was bedeutet das: Ein Unternehmen auf Wachstum vorbereiten? Es bedeutet vor allem, vorauszuschauen und sich vorzubereiten.

 

Vorher überlegen, was gebraucht wird

Wer sich ein Wachstumsziel setzt, muss sich überlegen, was ein solches Wachstum im Unternehmen verursacht: In welchen Bereichen ändert sich etwas und was genau? Beispiel: Im aktuellen Geschäftsjahr soll der Umsatz mit einem Produkt um 15 Prozent steigen. Dafür muss bei gleichbleibendem Preis auch die Produktion um 15 Prozent steigen – wie viele zusätzliche Mitarbeiter werden gebraucht, um das zu bewältigen? Muss eine zusätzliche Maschine gekauft und finanziert werden? Können die Lieferanten die erhöhten Mengen liefern oder wird ein neuer Lieferant gebraucht? Reichen die Lagerkapazitäten für Vorprodukte und Fertigwaren? Wird zusätzliche Kapazität in der Kundenbetreuung, im Versand, in der Fakturierung gebraucht? Wer diese Überlegungen schon bei der Jahresplanung anstellt, kann rechtzeitig dafür sorgen, dass alles rund läuft.

 

Wachstum durch Weglassen

Es müssen auch gar nicht immer zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, oft lässt sich schon aus dem Vorhandenen mehr machen, denn ein Unternehmen auf Wachstum auszurichten bedeutet auch: Weglassen. Das betrifft erstens Produkte und Angebote, die nur noch so mitgeschleift werden aber keinen nennenswerten Beitrag zur Wertschöpfung leisten. Damit trennt man sich vielleicht auch gleich von Kunden, mit denen das Geschäft (nicht mehr) profitabel ist. Das Weglassen betrifft zweitens die Abläufe im Unternehmen: Genehmigungsschleifen, die Zeit kosten und entfallen können, wenn die untere Ebene mehr Verantwortung bekommt. Informationen, die aus alter Gewohnheit aufwändig aufbereitet und betrachtet werden, obwohl sie keinen Einfluss auf die Wertschöpfung haben. Um solche Produktivitätsfresser im Unternehme aufzuspüren, braucht es häufig einen Blick von außen, jemanden der in Frage stellt, was schon lange so gemacht wurde.

 

Mitarbeiter mitnehmen

Und natürlich geht es nicht nur um praktische Vorbereitungen: Es muss auch allen im Unternehmen klar sein, dass es um Wachstum geht und dass damit Veränderungen verbunden sind – was für die meisten Menschen eher beängstigend ist. Damit die Mehrarbeit bewältigt werden kann, müssen auch Aufgaben neu verteilt und neu zugeschnitten werden, einige Mitarbeiter müssen mehr Verantwortung übernehmen. Auch das muss vorbereitet werden – zumindest muss darüber gesprochen und alle Informationen übergeben werden. Vielleicht ist aber auch noch eine Fortbildung sinnvoll.

Nur wenn alle Rädchen an ihrem Platz sind und sinnvoll ineinander greifen, ist Wachstum möglich, das niemanden überfordert: Nicht die Mitarbeiter, nicht die Infrastruktur und auch nicht den Unternehmer.