Erfolgreich selbständig – mit systematischer Unternehmensentwicklung

Meist verwenden wir die beiden Begriffe „Selbständiger“ und „Unternehmer“ ja synonym, aber tatsächlich gibt es da einen Unterschied: Der prägnantestes ist sicherlich der, dass Selbständige „im“ und Unternehmer „am“ Unternehmen arbeiten. Das heißt, der oder die Selbständige erledigt alle anfallenden Arbeiten selbst – das Abarbeiten der Aufträge, Akquise, Buchhaltung usw.

Der Unternehmer dagegen hat Mitarbeiter, die sich um die operative Arbeit kümmern und er selbst widmet sich allein der Weiterentwicklung seines Unternehmens, also strategischen und Wachstumsfragen. Naturgemäß ist mit der Unterscheidung zwischen Selbständigen und Unternehmern auch eine Größenunterscheidung gemacht, denn für Selbständige gibt es eine Wachstumsgrenze, während Unternehmen theoretisch unbegrenzt wachsen können.

 

Auch Selbständige brauchen Wachstum!

Aber natürlich kann auch das Business von Selbständigen wachsen – und das sollte es auch, um den Selbständigen ordentlich zu ernähren – und seine Altersvorsorge zu sichern. Das schaffen ja auch viele Selbständige – allerdings häufig um den Preis einer ziemlichen Selbstausbeutung mit viel Arbeit für nicht so sehr viel Geld. Das heißt: Gesundes Wachstum ist auch für Selbständige ein Thema!

Aber was macht eigentlich ein erfolgreich wachsendes Business aus? Zunächst braucht es mal ein solides Fundament, bestehend aus den Werten und Lebenszielen der Selbständigen. Was waren die Motive für die Firmengründung? Welche Werte möchten sie in ihrer Arbeit verwirklichen? Wie ist die Lebensplanung? Die Lebensziele sind wichtig, denn die selbständige Tätigkeit muss ja zu diesen Ziele passen und zu ihnen beitragen. Außer der Geschäftsidee und ihrer Umsetzung in ein Geschäftsmodell sollten Selbständige auch eine langfristige Unternehmensvision haben. Was wollen sie mit dem Unternehmen langfristig erreichen? Wie trägt es zur Veränderung der Welt oder zum Nutzen der Zielgruppe bei? Schnödes Geldverdienen kann keine Vision sein.

 

Spezialisierung als Erfolgsstrategie

Außerdem gehört auch eine langfristig angelegte und tragfähige Unternehmensstrategie zum Fundament wachsender Unternehmen. Manch einer wird sagen: Strategie – das ist doch eher etwas für die Großen! Aber das ist nicht so: Gerade Selbständige sollten sich gut überlegen, mit welcher Strategie sie am Markt agieren. Und für sie kommt nur eine Spezialisierungsstrategie in Frage, damit sie eine Chance haben, trotz der geringen Größe im Markt wahrgenommen zu werden und damit sie die ungeheuren Lerngewinne nutzen können, die man hat, wenn man sich auf wenige Angebote und eine Zielgruppe spezialisiert.

Diese Spezialisierung muss natürlich basieren auf den eigenen Fähigkeiten und Stärken, muss sich dann aber konsequent ausrichten auf ein tatsächlich vorhandenes und als dringend empfundenes Bedürfnis in einer Zielgruppe – die dann notwendigerweise relativ klein sein wird. Nur dann ist es nämlich möglich, in dieser Zielgruppe als bester Problemlöser wahrgenommen zu werden. Nicht zu vernachlässigen ist, dass das Angebot ein konstantes Grundbedürfnis in der Zielgruppe erfüllt, das mit immer neuen Angeboten erfüllt werden kann und sich nicht auf ein kurzlebiges Bedürfnis richtet.

 

Ziele setzen, Maßnahmen umsetzen

Auf diesem Fundament aus persönlichen Werten, Lebenszielen, Vision und Strategie kann man dann aufbauen und die Selbständigkeit systematisch entwickeln. Was heißt das?

Zunächst mal ist es wichtig, die Strategie mit der Definition von Zielen zu einem Instrument für die Weiterentwicklung zu machen und das geschieht durch die Unternehmensplanung. Die Unternehmensstrategie definiert die grundsätzliche Richtung der Firma – um in diese Richtung handeln zu können, braucht man entsprechende Ziele. Nur wenn man ein Ziel hat, kann man ankommen. Erfolgreiche Selbständige haben solche klaren und messbaren Ziele! In der Planung geht es darum, die Entwicklung der Selbständigkeit für die nächsten 10 Jahre vorzudenken und dann ganz konkret das nächste Jahr zu planen. Wenn man solo-selbständig bleiben möchte, muss ja das Ziel sein, einen Gewinn zu erwirtschaften, der ein gutes Auskommen ermöglicht, die Altersvorsorge sichert und finanzielle Risiken abfedert. Man fängt daher in der Planung mit dem Gewinn an, der dafür nötig ist. Man merkt dann schnell, welche Entwicklung in den kommenden Jahren erforderlich ist, um das irgendwann zu erreichen. Und das ist dann auch eine gute Rückkopplung zur Strategie: Ermöglicht die gewählte Strategie eine solche Entwicklung?

Aus der Unternehmensplanung ergeben sich Maßnahmen für die jeweiligen Funktionsbereiche des Unternehmens. Wenn zum Beispiel der Umsatz um zwanzig Prozent steigen soll, wie viele zusätzliche Aufträge brauche ich dann? Daraus entstehen notwendige Maßnahmen für das Marketing, die Kundengewinnung aber auch zum Beispiel die Finanzen. Ganz wichtig ist die Erfolgsmessung! Nur wenn die Durchführung der Maßnahmen und die Zielerreichung regelmäßig und termingerecht kontrolliert werden, kann nachjustiert werden. Ansonsten gerät die Entwicklung ins Stocken! Deshalb ist es gut, klare Deadlines zu definieren, zu denen die Resultate überprüft und neue Maßnahmen definiert werden. Manch einem mag das albern erscheinen, gibt es doch niemanden außer einem selbst, für den man diese Pläne erstellt. Trotzdem: So vorzugehen ist auch ein Mittel der Selbstdisziplinierung.

 

Man muss nicht alles allein machen!

Und so geht es dann nach und nach in Richtung Vollauslastung. Zunächst kann man voll ausgelastet sein mit dem Abarbeiten von Aufträgen, dem Akquirieren neuer Aufträge, der ganzen Verwaltung, die damit zusammen hängt, mit Netzwerken usw. Aber das ist noch nicht das Ende, denn auch als Solo-Selbständiger muss man ja nicht alles allein machen! Man kann überlegen, Aufgaben abzugeben und auszulagern: An Dienstleister, an Aushilfen, an Praktikanten. Das bedarf aber einer guten Vorbereitung. Zunächst stellt sich die Frage: Welche Aufgaben kann ich abgeben?

In jedem Unternehmen gibt es Fachkraft-Aufgaben, organisatorische Aufgaben und Unternehmeraufgaben und die gibt es auch in jeder Selbständigkeit. Am Anfang macht der Selbständige natürlich alles selbst. Wenn man aber in Richtung Vollauslastung strebt, kann man sich von einigen operativen Aufgaben entlasten. Damit das gelingt, ist es wichtig, die Prozesse genau zu beschreiben und dann zu ermitteln, was erforderlich ist, damit jemand diese Aufgaben übernehmen kann. Nur dann können sie erfolgreich an andere übertragen werden.

Wenn nun auch nach der Auslagerung von Aufgaben die Vollauslastung erreicht ist, steht endgültig die Entscheidung an: Will ich selbständig bleiben oder Unternehmerin werden? Aber das ist ein anderes Thema!

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